Intensive Workshops zu sozialer Infrastruktur und Wohnungsgrundrissen

Workshop 1 – Soziale Infrastruktur konkretisiert, am 9. November 2025, Schule am Hechinger Eck
In früheren Workshops war bereits ein Raumprogramm für die soziale Infrastruktur erarbeitet worden. Cafeteria, Multisaal, Allerleihstation, Rezeption, Werkstatt, Gästezimmer, Jugend- und Kinderraum, Waschräume, Home-Office-Bereiche und Dachgärten bildeten dabei zentrale Bausteine. Beim Workshop im November ging es nun darum, diese Bausteine räumlich zu verorten und konkret auszugestalten. Wie groß sollen die einzelnen Räume sein? In welchem der drei Gebäude A, B oder C sind sie sinnvoll platziert? Wie gut sind sie erreichbar und wie können unterschiedliche Nutzungen ineinandergreifen?
Zu Beginn wurden die vielen Anwesenden auf den aktuellen Planungsstand gebracht. Wie sieht das Raumprogramm im Detail aus, wie viel Fläche steht für Multisaal und Cafeteria zur Verfügung, welche Nebenräume müssen vorgesehen werden? Diskutiert wurden ebenso die Rahmenbedingungen für öffentliche Räume wie den Multisaal, die Anforderungen an das geplante Stadtteilgesundheitszentrum mit Arztpraxis sowie der Stand der Gästezimmer für das Quartier.
An Thementischen zu Cafeteria und Multisaal, zu Dachterrassen sowie zu genossenschaftsinternen Räumen wie Rezeption, Werkstatt und Lebensmitteldepot wurde anschließend intensiv gearbeitet. Es ging um die Frage, welche internen Nutzungen sinnvoll kombiniert werden können, wo die Rezeption angeordnet sein sollte und ob sich Synergien zwischen Allerleihstation, Secondhand-Lager und Lebensmitteldepot ergeben. Ebenso wurden ganz praktische Aspekte bedacht: Wo befinden sich die öffentlichen Toiletten und sollen sie alle rollstuhlgerecht ausgestattet sein? Ist in jedem Haus ein Waschraum vorgesehen und kann dieser zugleich als Treffpunkt dienen, vielleicht sogar ergänzt um Workstations für Laptops? Wollen wir Wannenbäder und wenn ja, wo und wie viele? Wo finden Jugendliche Räume, in denen sie auch einmal lauter sein dürfen? Und natürlich spielten auch scheinbar profane, aber zentrale Themen wie Müllräume sowie Fahrrad- und Kinderwagenabstellflächen eine wichtige Rolle.
Mit großen Plänen, Transparentpapier, Scheren, Stiften und ausgeschnittenen Möbeln ausgestattet, wurde engagiert und konzentriert gearbeitet. Die erarbeiteten Zwischenstände wurden dokumentiert und am Ende im Plenum vorgestellt. Für die Planer:innen war dieser Workshop äußerst wertvoll. Sie haben die Gemeinschaft noch besser kennengelernt, unsere Anforderungen vertieft verstanden und können die gemeinsam entwickelten Ergebnisse nun in den weiteren Planungsprozess einarbeiten.

Workshop 2 – Wohntypologien und Grundrisse im Fokus, am 7. Februar 2026, Schule am Hechinger Eck
Am 7. Februar trafen wir uns erneut in der Schule am Hechinger Eck. Diesmal standen die konkreten Wohntypologien und Grundrisse im Mittelpunkt. Wie sind die Wohnungen auf die drei Häuser verteilt, wie ist die jeweilige Erschließung organisiert, in welchen Geschossen liegen die Wohnungen und wie ist ihre Ausrichtung? Wie gestaltet sich der Wohnungsmix im Gebäude und auf den einzelnen Geschossen, und wie sehen die Grundrisse im Detail aus? Dass dieses Thema auf großes Interesse stößt, zeigte sich an den fast hundert Teilnehmenden.
Zum Auftakt vermittelte das Team Bauen – auch für die vielen Neuen – noch einmal die gemeinsam erarbeiteten Schwerpunkte der Genossenschaft Neustart Tübingen. Im Zentrum stehen die Flächensuffizienz und eine starke soziale Infrastruktur. Das bedeutet weniger privater Wohnraum zugunsten attraktiver Gemeinschafts- und Begegnungsflächen. Hinzu kommen eine ökologische Bauweise mit einem hohen Anteil an Holzbauteilen sowie ein einfaches und kostengünstiges Bauen auf Basis eines definierten Rastermaßes und eines hohen Vorfertigungsgrades, etwa durch Modulbäder. Ein weiterer Grundpfeiler ist die Diversität mit einem Mix unterschiedlicher Wohn- und Lebensformen – von Studios für Singles über Wohnungen für Paare und Familien bis hin zu größeren Einheiten wie WGs und Clusterwohnungen.
Die Architekt:innen von Partner und Partner stellten die drei Gebäude mit ihrer Lage, ihrer Kubatur und ihrem besonderen Erschließungskonzept vor, das in jedem Haus Räume für Begegnung und Gemeinschaft im Alltag schaffen soll.
Im Wesentlichen wurden fünf Wohntypologien definiert, orientiert an Größe und Nutzung. Dabei gilt ein klarer Neustart-Grundsatz: Anzahl der Personen plus maximal ein weiterer Raum. Es gibt S-Wohnungen für ein bis zwei Personen, M-Wohnungen für drei bis vier Personen, L-Wohnungen für vier bis fünf Bewohnende, Sechszimmerwohnungen für große Familien oder WGs sowie Clusterwohnungen für bis zu sieben Bewohner:innen. Jede Wohnung wurde anhand eines sogenannten Wohnungsteckbriefs vorgestellt, der Größe, Zimmeranzahl und mögliche Belegungskonstellationen darstellt. Jeder Typ kommt mehrfach vor und ist mit wenigen Ausnahmen in allen drei Gebäuden vertreten. Zudem existieren jeweils mehrere Varianten, sodass es nicht nur einen einzigen Zuschnitt pro Wohnungsgröße gibt.
Zur besseren Veranschaulichung wurden im oberen Foyer der Schule Beispielgrundrisse mit zwei beziehungsweise drei Zimmern aufgeklebt und möbliert dargestellt. Anschließend verteilten sich die Teilnehmenden auf nach Wohntyp gegliederte Arbeitstische. Dort konnten sich die zukünftigen Bewohnenden intensiv mit ihrer gewünschten Grundrissgröße auseinandersetzen und zugleich ihre potenziellen Nachbar:innen kennenlernen. Es entstand ein lebendiger, intensiver Austauschprozess.
Ein gemeinsamer Aneignungsprozess
Beide Workshops haben viel in Bewegung gebracht. Es war ein gemeinsamer Aneignungsprozess im besten Sinne, ganz im Geist von Neustart. Auch für die Architekt:innen und das Team Bauen von Neustart war es ein wertvoller Schritt. Nun gilt es, die zahlreichen Anregungen in die weitere Planung zu integrieren.
Wir sind sehr froh, mit unseren Architekt:innen Partner:innen gefunden zu haben, die sich auf unseren Prozess der Vermittlung und Mitbestimmung einlassen. Das macht – trotz des hohen Arbeitsaufwands – große Freude.


